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Bio fürs Depot: Über Sinn und Unsinn von grünem Geld

NachhaltigkeitWer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass es keine einheitliche Begriffsverwendung gibt.

So sind auch unterschiedliche Definitionen von Nachhaltigkeit verbreitet, die im Kern allerdings mehr oder weniger ähnliche Aussagen treffen.

Im Grunde geht es um den Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, indem ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichrangig beachtet werden.

Verbraucher, die eine nachhaltige Lebensweise anstreben, haben heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten, ihr Konsumverhalten an diesen Lebensstil anzupassen.

Fair Trade Produkte, Ökostrom und Biolebensmittel sind nur einige Beispiele, die unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit angeboten werden.

Grünes Geld

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es auch nachhaltige Geldanlagen gibt. „Green Money“ steht für das Gegenteil von Heuschreckenkapitalismus und gewissenlosen Spekulationsgeschäften. Um als nachhaltige Geldanlage bewertet zu werden, müssen ökologische, soziale und ethische Aspekte beachtet werden.

Ausschlusskriterien, die einer Anlage den Status der Nachhaltigkeit verwehren können, gibt es viele. Diese können sowohl wertbasiert sein (z.B. Nutzung von Kernenergie, Tierversuchen, Korruption), als auch normbasiert (z.B. Verstöße gegen Artenschutzabkommen, Waffensperrverträge oder Kartellrecht).

Investments, die diese Hürde meistern gibt es in Form von Aktien, Anleihen, Fonds, Lebensversicherungen und vielen anderen gängigen Finanzprodukten. Das Angebot ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Laut Marktbericht 2014 des FNG betrug das Wachstum nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr und macht heute ein Volumen von rund 135 Milliarden Euro aus.

Gewissen versus Rendite

Während man bei Bio- und Fair Trade-Produkten automatisch von höheren Preisen ausgeht, erwartet man bei nachhaltigen Geldanlagen intuitiv eine geringere Rendite.

Eine Untersuchung der Universität Kassel wiederlegt jedoch das weit verbreitete Vorurteil, dass nachhaltige Geldanlagen zwingend eine geringere Performance bieten als herkömmliche Investments. Im Rahmen der Untersuchung wurden 35 empirische Studien, die die Leistungen von nachhaltigen Fonds mit den Ergebnissen konventioneller Fonds vergleichen, analysiert. Beleuchtet wurde sowohl deren Renditen, als auch das Rendite-Risikoverhältnis. Während lediglich 6 Studien das Vorurteil bestätigten, gab es in 15 Fällen überhaupt keine Unterschiede zu klassischen Fonds. In 14 Studien schnitten sogar nachhaltige Fonds gegenüber konventionellen besser ab.

Einer Untersuchung der Universität Regensburg zufolge, lässt sich sogar darauf schließen, dass Anleger durchaus bereit wären, auf ein Teil der Rendite zu verzichten, wenn es um nachhaltige Geldanlagen geht. Sofern die Anlage exakt ihrer Vorstellungen von Nachhaltigkeit entspricht, wären die befragten privaten und institutionellen Investoren bereit, auf bis zu 2 Prozent Rendite zu verzichten.

Wo grün draufsteht, ist nicht immer grün drin

Nicht alles was als nachhaltig deklariert ist, entspricht auch den persönlichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Was man von diversen Bio-Skandalen her kennt, gilt auch für grüne Geldanlagen. Weder Verbraucher noch Anleger können sich schlussendlich sicher sein, dass die angebotenen Produkte auch genau ihren Erwartungen entsprechen.

Dies wird in einer Studie über den Inhalt von Nachhaltigkeitsfonds von Jochen Bettzieche deutlich, die unter dem Titel „Von ethischen Maschinenpistolen und ökologischem Uranabbau“ erschienen ist.

Bettzieches Untersuchungen zeigen, dass sich in zahlreichen nachhaltigen Fonds Unternehmen finden lassen, deren ethische, ökologische und soziale Kriterien sich offensichtlich nicht von denen konventioneller Fonds unterscheiden. So befanden sich in den untersuchten Fonds Hersteller von Kampfhubschraubern, Betreiber von Uranminen und Atomkraftwerken oder Firmen die Ölbohrungen in der Tiefsee durchführen.

Der Grund hierfür liegt hauptsächlich in der Auslegung der Nachhaltigkeits-Kriterien. Jeder Anbieter hat hierzu offenbar eine andere Auffassung. Ein klar definierter Mindeststandard für Nachhaltigkeitsfonds fehlt bislang.

Fazit

Wer durch grüne Geldanlagen ein Zeichen setzen möchte oder sich mit reinem Gewissen am Börsengeschehen beteiligen will, sollte besser zweimal hinsehen. Nicht immer bieten als nachhaltig gekennzeichnete Geldanlagen auch das was man gemeinhin darunter versteht.

Dies ist für Privatanleger ärgerlich und kann für institutionelle Investoren wie Stiftungen im schlimmsten Fall imageschädigende Auswirkungen haben.

Die Angst vor Renditeeinbußen ist in vielen Fällen allerdings unbegründet. So können nachhaltige Fonds durchaus eine bessere Performance bieten als konventionelle Fonds.

Eine gute Quelle für weitere Informationen zu dem Thema ist die Seite des Fachverbands für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz (FNG) http://www.forum-ng.org

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